Blick aus Belarus: Wettbewerb auf dem EAWU-Fleischmarkt

Weissrussland liefert Fleisch

Der Wettbewerb auf dem Fleischmarkt der EAWU wird schärfer. Die EAWU hat vor, eigenen Schweine- und Geflügelmarkt zu sättigen. Dies kann den Wettbewerb zwischen den Ländern der Union verschärfen.


2020 sollte die Eurasische Wirtschaftsunion bei Schweine- und Geflügelfleischproduktion die volle Unabhängigkeit erreichen. Dies teilte  Alexander Subbotin, Vorstandsmitglied (Minister) des Ausschusses für Industrie und Landwirtschaft der Eurasischen Wirtschaftskommission Mitte August mit.

Die Sättigung des EAWU-Marktes wird unweigerlich zu einem verstärkten Wettbewerb innerhalb der Allianz führen. Heute entfallen mehr als 90% der weißrussischen Exporte von Fleisch und Fleischprodukten auf die Mitgliedsländer, wobei über 80% dieser Produkte nach Russland geliefert werden. Die wichtigsten Fleischproduzenten in der EAWU bleiben Weißrussland und die Russische Föderation. Die Entwicklung der Situation wird in erster Linie vom Sättigungsgrad des russischen Marktes beeinflusst.

Die Russische Föderation hat bereits eine Selbstversorgung mit Geflügelfleisch erreicht, was zu niedrigeren Preisen und der Einleitung einer Produktionsoptimierung sowie zu einer Umstrukturierung geführt hat. In den Jahren 2017-2018 reduzierten einige Erzeuger die Produktion von Geflügelfleisch und hatten finanzielle Probleme. Im Markt wurden Fusionen und Übernahmen verzeichnet. Einige Unternehmen sind für insolvent erklärt.

Geflügelprobleme

Geflügelfleisch wird höchstwahrscheinlich die problematischste Position sein, wenn es um die Sättigung des EAWU-Marktes geht. Der Export von Fleisch und Geflügelnebenprodukten übersteigt 100.000 Tonnen und bringt Belarus mehr als 200 Mio. US-Dollar pro Jahr ein. Im Jahr 2018 stieg er auf 256 Millionen US-Dollar aufgrund steigender Preise in der Russischen Föderation.

Im vergangenen Jahr führte die Optimierung der russischen Geflügelfleischproduktion zur Verknappung einiger Verkaufspositionen. Belorussische Unternehmen beeilten sich, diese Nischen zu besetzen. Im ersten Halbjahr 2019 stiegen die Lieferungen ins Ausland nicht wegen dem russischen Markt. Laut den Ergebnissen des ersten Halbjahres ergab die Statistik von Belstat einen Rückgang der Ausfuhren in die Russische Föderation um 2,7% gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2018 auf 67,22 Tsd. Tonnen. Die Umsätze stiegen jedoch um 3,4% auf 105,93 Millionen Dollar.
Der Gesamtexport von Fleisch- und Geflügelnebenprodukten ins Ausland erreichte 82,9 Tsd. Tonnen (+ 1,8%). Umsatzmäßig stieg er um 9,1% auf 128,3 Mio. USD.

Wenn sich der Markt von Belarus und Russland der Sättigung nähert, kommt Rosselkhoznadzor (Russischer föderaler Dienst für Veterinär- und Pflanzenschutzüberwachung) oft ins Spiel.
In den letzten Jahren macht er regelmäßig Ansprüche an belorussische Hersteller geltend, die sich hauptsächlich auf Rückstände von Arzneimitteln gegen Kokzidiose bei der Herstellung beziehen.
Alle Einschränkungen sind jedoch punktuell und betreffen nur selten die größten weißrussischen Hersteller.

2017 war dies einer der Gründe für den Rückgang der Lieferung von Geflügelfleisch in die Russische Föderation. Wie die Erfahrung von 2018 zeigt, können bei Bedarf strengere Maßnahmen von der russischen Seite zur Anpassung des Marktes ergriffen werden. Zum Beispiel hat die Beschränkung des Angebots an Rohmilchprodukten die belorussischen Exporte schmerzhaft beeinträchtigt.

Weißrussische Geflügelfleischproduzenten berechnen die Risiken und ergreifen Maßnahmen, um sie zu reduzieren. So hat einer der führenden Vertreter der belorussischen Geflügelindustrie, Servolux, bereits einen Standort in Russland erworben. Ende Juli wurde bekannt, dass der Kauf des Produktionskomplexes von Zagorsky Broiler GmbH in Sergiev Posad, Region Moskau, abgeschlossen wurde. Diese Firma wurde vorher für insolvent erklärt. Servolux Vostok GmbH, ein Mitglied der weissrussischen Unternehmensgruppe, zahlte 164,8 Millionen Rubel für das russische Aktiv. Das wären ungefähr 2,6 Millionen US-Dollar zum gegenwärtigen Wechselkurs. In diesem Betrag ist das Recht zur Anmietung eines Grundstücks sowie Industriegebäude, Ausrüstung, elektrische Netze und andere Infrastruktur enthalten.

Fleischige Perspektiven

Die Hauptakteure auf dem Schweinefleischmarkt waren mehrere Jahre lang nicht die Erzeuger, sondern die Afrikanische Schweinepest (ASP). Trotz der Tatsache, dass die ASP-Ausbrüche in Belarus in letzter Zeit nicht offiziell registriert wurden, ist der Export von Schweinefleisch aus unserem Land nach wie vor sehr bescheiden: In den Jahren 2017 und 2018 waren es ungefähr 6000 Tonnen. Zum Vergleich: 2012 hat Belarus 60 Tausend Tonnen dieser Fleischsorte ins Ausland geliefert.

Dementsprechend ist es unwahrscheinlich, dass die Sättigung des EAWU-Marktes zu einem ernsthaften Rückgang belarussischer Lieferungen ins Ausland führt: Sie sind so wie so nicht allzu groß. Die ASP, die in China tobt, schafft Möglichkeiten für weißrussische und russische Exporte.
In China ist die Anzahl der Schweine aufgrund von der Tierseuche stark zurückgegangen.
Die Behörden des Landes liefern keine genauen Daten dazu, Experten gehen jedoch davon aus, dass 40-50% des Viehbestandes vernichtet werden könnten. Indirekt lässt sich das Ausmaß der Tragödie durch den Rückgang chinesische Schweinefutter-Importe abschätzen.

In der ersten Jahreshälfte verringerte sich der Import von Trockenmolke, die auch als Tierfutter verwendet wird, um 29% auf 208 Tsd. Tonnen, während der Import von Sojabohnen um 11% auf 46,91 Mio. Tonnen zurückging. All dies geschieht vor dem Hintergrund steigender Einkommen der chinesischen Bevölkerung und wachsender Nachfrage nach Fleisch. Darum muss China Schweinefleisch importieren.

Darüber hinaus werden andere tierische Proteine - Rindfleisch und Geflügel - zunehmend konsumiert. Im ersten Halbjahr 2019 lieferte Belarus 3,8 Tausend Tonnen Geflügelfleisch und essbare Innereien für 8,37 Millionen US-Dollar nach China. Die Lieferdynamik wird in der zweiten Jahreshälfte ersichtlich. Im vergangenen Jahr begannen weißrussische Geflügelfarmen im August mit der Auslieferung von Produkten, und zwar sofort in hohem Tempo.

Gegenwärtig nehmen die Geflügelexporte erheblich zu, auch aufgrund dem geöffneten Zugang zum chinesischen Metzgermarkt. 2018 durften die Weißrussen nur noch ganze Schlachtschweine liefen.
In der ersten Jahreshälfte stieg der Export von weißrussischem Rindfleisch um das 13-fache auf 950 Tonnen. Der Umsatz belief sich auf 3,98 Millionen Dollar.

Das Wachstum dieser Position wird in diesem Jahr bescheidener ausfallen, da nur wenige Unternehmen tatsächlich Produkte liefern können. Russland hat seinen Schwerpunkt im Agrarsektor von der Importsubstitution auf die Entwicklung des Exportpotenzials verlagert. Zunächst einmal kommen russische Produkte auf die Märkte der GUS-Staaten. In Weißrussland kann man bereits russisches Schweinefleisch und Rindfleisch sehen. Das Volumen der Fleischimporte aus der Russischen Föderation in unser Land bleibt vorerst gering.

Im ersten Halbjahr wurden fast 62 Tonnen gekühltes Rindfleisch importiert (+ 30,2% gegenüber dem Vorjahreszeitraum), 578 Tonnen gefrorenes Rindfleisch (+ 46,6%), 7380 Tonnen Schweinefleisch (2,3-mal mehr), 364 Tonnen Fleisch und Geflügelnebenprodukte (-75,8%).

Chinesischer Faktor

Russland zielt auch auf China ab. Es kann Geflügelfleisch bereits dorthin liefern.
Angesichts der gigantischen Kapazität des chinesischen Marktes ist es jedoch unwahrscheinlich, dass die Russen die Belorussen ernsthaft unter Druck setzen: Dort gibt es Platz für alle.

Auf der anderen Seite wird es sich de facto um die Ausfuhr von weißrussischem Fleisch handeln, da die eigenen Fleischüberschüsse in der Russischen Föderation immer noch gering sind. So wird jegliche signifikante Ausweitung der russischen China-Exporte zur Erweiterung des weißrussischen Fleischexports nach Russland führen.

Wohin genau das weißrussische Fleisch geliefert wird, hängt vom Preis ab. Wie die Milchindustrie von Belarus zeigt, entfaltet sich die Diversifizierung nur bei hohen Weltmarktpreisen und einem geschlossenen russischen Markt sprunghaft. Sobald der Zugang zum russischen Markt vereinfacht wird, beginnen weißrussische Hersteller sofort verstärkt ins Nachbarland zu liefern.
Aber zu oft steht ihnen Rosselkhoznadzor im Weg.

Oxen-Schranke

Trotz der Tatsache, dass die Selbstversorgung mit Rindfleisch in der Eurasischen WIrtschaftsunion bei 90% liegt, hat die Russische Föderation den weißrussischen Lieferanten in diesem Jahr nur eingeschränkten Zugang zu seinem Fleischmarkt gewährt: Rosselkhoznadzor hat ein Lieferungsverbot von Rindfleisch an Knochen aus Belarus eingeführt. Dies erklärte sich aus dem Wunsch, den klaren Status zum Rinderwahn zu erlangen. Dadurch wurden auch Lieferung von Fleisch ohne Knochen aus allen Staaten, die keinen solchen Status haben, automatisch eingestellt.

Im ersten Halbjahr verringerte sich das Exportangebot an frischem und gekühltem Fleisch um 29,9% auf 38,6 Tsd. Tonnen. Auch umsatzmäßig gingen die Exporte um 33,5% auf 136 Mio. Dollar zurück.
Der Hauptmarkt bleibt Russland. Sein Exportanteil in Belarus beträgt 84,4%. Die Lieferungen in das östliche Nachbarland gingen um 38,4% auf 32,57 Tausend Tonnen und umsatzmäßig um 39,9% auf 119,15 Mio. USD zurück.

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