Expertenmeinung: EAC-Zertifizierung aus russischer Sicht

EAC-Zertifikat

Waren, die auf den russischen Inlandsmarkt gelangen, müssen bestimmte Qualitäts- und Sicherheitskriterien erfüllen.


Dazu durchlaufen sie ein Zertifizierungsverfahren, anhand dessen sie ihre Konformitätserklärung und EAC-Kennzeichnung erhalten. Russische Zollbehörden kontrollieren das Vorhandensein und korrekte Kennzeichnung der eingeführten Produkte oder - falls Verstöße festgestellt wurden - leiten ein Verwaltungsverfahren ein.

In den letzten Jahren hat die Zahl der Verwaltungsverfahren erheblich zugenommen, was die Entwicklung der außenwirtschaftlichen Tätigkeit behindert und zu finanziellen Verlusten für Unternehmer führt.

Analysten zufolge wird sich dieser Trend fortsetzen und die Zollkontrolle verschärfen, was jedoch dazu beiträgt, die Versuche, gefälschte Produkte nach Russland zu importieren, zu stoppen.

EAC-Entstehungsgeschichte

Ein aufmerksamer russischer Verbraucher hat die EAC-Kennzeichnung für importierte Waren schon lange bemerkt. Dieses Zeichen wurde bereits im August 2013 offiziell eingeführt. Die EAC-Kennzeichnung ist das Ergebnis des Inkrafttretens in der Zollunion eines europäischen Systems zur Bewertung der Qualität und Sicherheit von Produkten. Von dieser rechtlichen Struktur ausgehend entwickelten die Russische Föderation, die Republik Belarus und Kasachstan im Jahr 2011 ein eigenes einheitliches System technischer Vorschriften, in dessen Rahmen eine einheitliche Bewertung zur Bestätigung der Konformität aller Warengruppen verabschiedet wurde (mit Ausnahme von Bauobjekten, für welche eine separate Konformitätsbewertung gilt).

Was bedeutet EAC?

EAC steht für Eurasian Conformity. Dies ist ein Umlaufzeichen, das direkt auf die Ware, deren Verpackung oder Begleitdokumentation angebracht wird.

Diese Kennzeichnung bestätigt, dass das Produkt alle in den technischen Vorschriften der Zollunion festgelegten Bewertungsverfahren bestanden hat und deren Anforderungen erfüllt. Mit anderen Worten wird dem Produkt hiermit hohe Qualität und Sicherheit für den Verbraucher zuerkannt.
Die EAC-Kennzeichnung kann sowohl mit kyrillischen als auch mit lateinischen Buchstaben erfolgen.

Bis vor kurzem wurde das Fehlen dieser Kennzeichnung durchaus loyal angesehen. Doch seit Juli 2017 bestehen die russischen Zollbehörden darauf, dass die Markierung vorhanden sein soll. Nicht gekennzeichnete Produkte werden aus dem Verkehr gezogen.

Welche Produkte sollten mit dem EAC-Zeichen gekennzeichnet werden?

Nach dem technischen Regelwerk der Zollunion sind folgende Warengruppen EAC-kennzeichnungspflichtig:

  • Pyrotechnische Produkte
  • Persönliche Schutzausrüstung
  • Produkte für Kinder und Jugendliche
  • Spielzeuge
  • Parfüm- und Kosmetikprodukte
  • Erzeugnisse der Leichtindustrie
  • Niederspannungsgeräte
  • Nahrungsmittel
  • Obst- und Gemüsesaftprodukte
  • Öl- und Fettprodukte
  • Diätetische, therapeutische und vorbeugende Ernährung
  • Möbel
  • Tabakwaren

Diese Liste ist unvollständig. Bisher wurden mehr als 45 technische Regelwerke ausgearbeitet, die nun in Kraft sind und deren Zahl weiter zunimmt.
Wichtig!
Bei Abschluss eines Liefervertrages muss sich jeder Vertragspartner erkundigen, ob eine Kennzeichnung erforderlich ist.
Die Einhaltung der Anforderungen hilft, Probleme mit dem Zoll und Bußgelder zu vermeiden, sowie den Prozess der Zollabfertigung zu beschleunigen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Sie diese Anforderungen genau kennen, wenden Sie sich lieber an einen versierten Zollagenten.

Produktanforderungen für die EAC-Kennzeichnung

Das technische Regelwerk bezieht sich auf den GOST-Standard und enthält spezifische Anforderungen, die jeder Hersteller erfüllen soll. So beschreibt das technische Regelwerk der Zollunion die Anforderungen an die Produktsicherheit und das Verfahren zur Bestätigung der Einhaltung dieser Anforderungen. Dies geschieht in der Regel im Rahmen von Pflichtprüfungen (Laboranalysen), bei denen die Produkte eine für den Verbraucher angemessene Qualität und Sicherheit nachweisen. Zu diesem Zweck werden die Proben an akkreditierte Laboratorien geliefert, deren Spezialisten entsprechende Tests durchführen. Von deren Ergebnissen ausgehend erhält das Produkt die Berechtigung für die Anbringung der EAC-Kennzeichnung. Wenn jedoch die Testergebnisse die Nichteinhaltung der GOST-Anforderungen belegen, wird die Kennzeichnung verweigert.

Wo und wer kennzeichnet die Ware?

Die Kennzeichnung wird vom Hersteller oder Lieferanten des Produkts vorgenommen. Sie hat noch vor dem Zeitpunkt des Inverkehrbringens der Ware zu erfolgen. In einigen Fällen kann sie vom Empfänger der Waren übernommen werden.

Wo ist die Kennzeichnung angebracht?

Das einheitliche Zollunion-Zeichen ist eine Kombination aus drei Buchstaben EAC. Sie sollten in Breite und Höhe gleich sein und scharfe Ecken haben. Optisch sollte das Grafikbild exakte Proportionen eines Quadrats auf dunklem oder hellem Hintergrund aufweisen.

Andere obligatorische Anforderungen für das EAC-Zeichen und dessen Anbringungsstelle wären:

  1. Die Abmessungen der Markierung werden vom Hersteller (Lieferanten) der Produkte festgelegt. Jedoch darf die Basisgröße von 5 mm nicht unterschritten werden.
  2. Das Zeichen sollte klar und mit bloßem Auge gut sichtbar sein.
  3. Fürs Anbringen des EAC-Zeichens ist jede Methode erlaubt. Die Hauptsache ist, dass es klar und sichtbar während der gesamten Lebensdauer des Produkts bleibt.
  4. Das EAC-Zeichen wird auf jede Produktionseinheit, ihre Verpackung oder Begleitdokumentation aufgetragen.
  5. Das Zeichenbild soll einfarbig sein und einen Kontrast zur Farbe der Oberfläche aufweisen, auf der es sich befindet.
  6. Die genaue Anbringungsstelle des Zeichen wird vom Regelwerk festgelegt.
  7. Keine anderen Zeichen oder Abbildungen dürfen die Lesbarkeit der EAC-Kennzeichnung beeinträchtigen.

Die Nichteinhaltung dieser Vorschriften kann zum Anlass für die Einleitung eines Verwaltungsverfahrens werden und eine Geldbuße und sogar zur Beschlagnahme von Produkten führen.

Wie bekommt man eine EAC-Konformitätsbescheinigung?

Die Kennzeichnung von Produkten mit EAC-Zeichen ist nur nach dem erfolgten Verfahren der der Konformitätsbestätigung möglich. Produkte, die zum ersten Mal auf den Markt gebracht werden, müssen obligatorisch zertifiziert werden. Alternativ ist der Hersteller berechtigt, die Konformität der Ware auf der Grundlage seiner eigenen Nachweise zu erklären.

Sowohl die Konformitätsbescheinigung als auch die Konformitätserklärung sind gleichermaßen rechtskräftig. Dabei sieht das Verfahren, um sie zu erhalten, wie folgt aus:

  • Der Antragsteller legt ein Dokumentenpaket vor, die von der Zertifizierungsstelle verlangt werden.
  • Ausgewählte Produktproben werden nach den Vorgaben der technischen Regelwerke überprüft (Labortests).
  • Auf der Grundlage von Prüfberichten entscheidet die Kommission, ob die EAC-Kennzeichnung für das jeweilige Produkt erlaubt ist oder nicht.
  • Im positiven Fall wird eine Konformitätserklärung ausgestellt.

Normalerweise dauert es bis zu 30 Werktagen, bis die Genehmigung zur Verwendung der EAC-Kennzeichnung erteilt wird.

Die Kosten für die Erlangung eines Zertifikats sind sehr unterschiedlich und werden unter Berücksichtigung zweier Faktoren berechnet - der Kosten für die Prüfung und des Preises für die Registrierung eines Zertifikats (Konformitätserklärung). Der Registrierungspreis ist normalerweise nicht allzu hoch - bis zu 10.000 Rubel, aber die Kosten für Tests können viel höher liegen - von 2.000 bis 250.000 Rubel für jedes Protokoll.

Wichtig!Wenn die Qualität und Sicherheit von Produkten mehreren technischen Regelwerken entsprechen sollen, hat der Antragsteller ein Zertifikat (Erklärung) zu erhalten, für das mehrere Prüfberichte erforderlich sind, was auch zusätzliche Kosten verursacht. 

Kennzeichnungsprobleme - wie kann man sie vermeiden?

Da die Waren gekennzeichnet werden müssen, bevor sie auf den russischen Inlandsmarkt gelangen, muss der Hersteller oder Lieferant vorab sicherstellen, dass das EAC-Zeichen angebracht ist. Es ist allerdings zu empfehlen, die Vorgänge aus von der Seite des Warenempfängers zu kontrollieren, und dazu einen Fachmann zu beauftragen. Wenn man sich entschiedet, dieses Problem auf eigene Faust zu lösen, sollte man dann den folgenden Aktionsalgorithmus befolgen:

  • - Vereinbaren Sie mit der Zertifizierungsstelle das Musterbild der Marke und deren Auftragungsstelle im Voraus.
  • - Lassen Sie das genehmigte Muster dem Hersteller oder Lieferanten zukommen.
  • - Vermerken Sie im Liefervertrag die Verpflichtungen der Parteien zur Kennzeichnung von Waren.

Fordern Sie vom Hersteller (Lieferanten) ggf. eine dokumentarische Bestätigung der korrekten Kennzeichnung, zum Beispiel einen Video- oder Fotobericht.

Wichtig!Wenn Sie Produkte ohne Etikett erhalten haben, haben Sie das Recht, die Situation zu korrigieren. Dazu können Sie das Verfahren "Zolllager" verwenden und die Waren selbständig kennzeichnen. Es ist schwer, dieses Verfahren zu veranlassen. Aber nichts ist unmöglich.


Bedenken Sie auch bitte, dass man nicht nur für fehlende, sondern auch für fehlerhafte Markierung bestraft werden kann: Falsche Zeichengröße, ein unscharfes, verschwommenes, überlapptes oder schlecht lesbar Bild. Diese Verstöße können als Missachtung der Bestimmungen der technischen Vorschriften angesehen und somit auch geahndet werden. Bleiben Sie also vorsichtig und verfolgen Sie aufmerksam die ganze Zertifizierungsprozedur!